Interview mit EM-Teilnehmer Julian Howard

 

Mit seinem Auftritt bei den Hallen-Europa-meisterschaften in Belgrad hat LGR-Weitenjäger Julian Howard abermals seine nationale Extraklasse bewiesen. Ein Sprung auf 7,97 Meter hat ihm dort einen tollen fünften Rang eingebracht, womit er sich auch gleich im Kreise der besten europäischen Weitspringer etabliert hat. Zu verschiedenen Fragen rund um seinen Einsatz in Belgrad und sein Sportlerleben hat Julian gerne Rede und Antwort gestanden:

Wie bewertest du deinen Auftritt bei der EM in Belgrad in puncto eigener Leistung, Eindrücken vor Ort, Betreuung und Unterkunft?

Mit meiner Leistung müsste ich eigentlich wesentlich zufriedener sein, als ich es momentan noch bin. Mit 7,97 Meter Fünfter zu werden ist eine tolle Leistung für mich. Ich darf nicht vergessen, dass ich gegen die besten Weitspringer Europas angetreten bin. Dennoch weiß ich, dass mehr gegangen wäre. Auf der anderen Seite bin ich stabil Weiten um 7,95m gesprungen… das ist hervorragend, spricht für ein hohes Leistungsvermögen und lässt mich den Sommer freudig erwarten. An diese Leistungen möchte ich dort anknüpfen. 

Der Wettkampf an sich war sehr fordernd. Zunächst die Qualifikation am frühen Morgen, und das Finale dann zu einer Uhrzeit, zu der ich am Vorabend schon im Bett lag. Das sind wichtige und schöne Erfahrungen, die man sonst nicht macht. Ich hätte mir etwas mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung seitens des Publikums gewünscht und auch die Wettkampforganisation hätte etwas reibungsloser ablaufen können. Nach dem Aufwärmen und dem Callroom mussten wir hinter der Bande in der Halle zunächst eine halbe Stunde warten, bis die Dreispringerinnen ihren Wettkampf beendet hatten. Aber abgesehen davon war die Unterbringung vor Ort, die kurzen Wege und die generelle Betreuung top. Ich habe mich unglaublich darüber gefreut, dass mich mein Coach Udo betreuen konnte. Das war in der Vergangenheit leider so nicht möglich.

Wie sieht deine kommende Trainingsplanung aus?

Ich werde jetzt zunächst eine Woche etwas gemütlicher trainieren, dann jedoch wieder voll einsteigen, mit sechs bis acht Einheiten in der Woche, bevor es dann im April und Mai in zwei Trainingslager gehen wird. Ich habe mir vorgenommen etwas an meiner Absprungvorbereitung und Landung zu arbeiten. Da sehe ich noch Potenzial, denn mit meiner Anlaufgeschwindigkeit müsste ich eigentlich weiter springen ;)

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang deine Trainingsgruppe? Wie motivierst du dich?

Ohne unsere tolle Trainingsgruppe würde ich niemals so motiviert trainieren. Es ist toll, sich mit den anderen im Training über individuelle Fortschritte zu freuen, zu lachen und sich zusammen zu quälen. Jeder hat eigene Beweggründe und individuelle Ziele, die er oder sie erreichen möchte. Jeder einzelne von uns nimmt dafür Entbehrungen in Kauf und investiert viel Zeit... aber wir schwitzen und kämpfen für unsere Ziele zusammen. Udo investiert dabei die meiste Zeit von uns allen und ist immer für uns da. Ohne ihn wäre das ganze gar nicht möglich.

Wie lassen sich der hohe Trainingsaufwand und dein Lehramt-Studium vereinbaren?

Die Uni kommt mir an einigen Stellen entgegen, weshalb es mir jetzt auch möglich sein wird, aufgrund eines Trainingslageraufenthalts im April eine Klausur vorzeitig zu schreiben. Generell muss man jedoch sagen, dass es insgesamt eine große Anstrengung ist, Sport und Studium zu verbinden, weshalb ich es auch nicht schaffe, mein Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen.

Welche Ziele hast du dir für die kommende Sommersaison gesetzt? Welche Fernziele strebst du in sportlicher Hinsicht an?

Im Sommer möchte ich bei den Weltmeisterschaften in London starten. Mein Ziel ist es, mich dafür zu qualifizieren. Wenn ich das erreicht habe, setze ich mir neue Ziele. Ob ich bis Olympia 2020 weiter mache, hängt ein bisschen von den kommenden Saisons und der Unterstützung ab.

Wie fühlt man sich als Top-Leichtathlet, wenn man die eigene finanzielle Situation/Unterstützung mit der eines durchschnittlichen Landesligakickers vergleicht?

Aufgrund meiner Verletzung im Jahre 2016 habe ich den Großteil meiner finanziellen Unterstützung verloren, weshalb es zunehmend schwieriger wird, mit derselben Hingabe meinen Sport auszuüben. Ohne die Unterstützung des Vereins wäre es mir nicht möglich, so viel Zeit für den Sport aufzubringen. Dann würde ich mir vermutlich geringere Ziele setzen und mich mit dem Erreichen dieser Ziele zufrieden geben. Aber ich sehe mich momentan als einen der besten Weitspringer in Deutschland und möchte international starten. Mich mit einem Fußballspieler aus egal welcher Liga zu vergleichen, habe ich aufgegeben. Fußball ist einfach der populärste Sport in Deutschland und aufgrund der extremen medialen Präsenz für Sponsoren besonders attraktiv. Das muss man so akzeptieren. Ich kann lediglich versuchen, selbst gute sportliche Leistungen zu erbringen um als Individualsportler gefördert zu werden.